Armin Bardel
PATHETISCHE ANTHOLOGIE
leidenschaftliche blütenkunde

tod, poesie & liebelei sind
der verschiednen dinge drei.

intropoetische präflexion - zur einführung

ein blick aus der ferne, tränengetrübten auges, gemischten gefühls. einblick auf jeden fall; ob einsicht, wird sich weisen. hinein oder hinaus oder herein oder heraus hängt ab vom jeweiligen standpunkt. kurzsichtigkeit wird ausgeglichen durch optische linsen, der blick geschärft, durch's fernrohr sieht alles deutlicher aus und klarer, als es ist; zum angreifen nahe scheinbar, greifbar, angreifbar offenbar. ansehen ja, aber berühren?

rundumschau, rundumschlag: um sich schlagen; um sich schreiben, um sich schreibend mitzuteilen, was gefällt oder missfällt, etwas loszuwerden, sich schaffen, was fehlt, es sich aneignen, bevor es entgleitet. schöne aussichten, wer die augen schliesst und ganz sich selbst vertraut. sich selbst vertrauen – selbstvertrauen, nicht selbstsucht: wer sein selbst sucht, ist schon auf dem besten weg – wohin? soweit das auge reicht, ist alles bestens. bloss reicht das freie auge halt nicht weit. und: wie frei ist das auge überhaupt? sitzt es nicht, gepaart, in unserm kopfe fest?

die grossen mächte, die bösen mächte. die fremden mächte, die geheimnisvollen, unberechenbaren anderen. die eigene ohnmacht. die welt liegt weit ab. das unbekannte, bedrohliche, von aussen kommende. aus den augen, aus dem sinn; das unbekannte kümmert einen kaum. was ich nicht weiss, kümmert mich einen feuchten ...

der geneigte leser wird nach einem roten faden suchen, der geplagte autor ebenso. gehen wir also gemeinsam auf die suche!?

ich bin, ja ich bin, glaube ich: irgendjemand muss wohl diese worte denken bzw. niederschreiben – weshalb dieses jemand auch eher sein muss als nicht. doch wer ist für das nun folgende verantwortlich: ich selbst? meine mir angeborene, gut erhaltene oder degenerierte erbsubstanz? meine eltern und erzieher? meine engere umgebung oder die ganze gesellschaft? vielleicht ist alles vom schicksal vorherbestimmt, oder gar vom lieben gott? von andern göttern? göttinnen? möglicherweise stehen dahinter subversive kräfte fremder staaten oder zwielichtige organisationen, die den ahnungslosen, allesfressenden lesern ihre verabscheuenswerte ideologie unterjubeln wollen? oder handelt es sich um ein unter dem einfluss zweifelhafter ausformungen unserer kunst und kultur missratenes produkt eines möchtegernwasimmerauchseins? wer verantwortet die genannten ereignisse? all diese und andere fragen werden sicher niemals zur vollsten zufriedenheit beantwortet werden können.

konfrontation - die faust und das auge

unverdaute gedanken vor den kopf gespuckt, oder ideen vorkauen, solange, bis der süssliche brei schmackhaft anderen auf der zunge zergeht, und würzen, bis er dem geschmack der zeit entspricht/jedes eigene aroma verloren hat. ein mittelmässiges mahl sättigt auch. viele wären froh, wenn sie überhaupt etwas zu fressen hätten. jeder frisst was er will oder was er kriegt, je nach vermögen. jeder tut, was er kann oder darf. entsprechend zubereitet werden aus jedem frass delikatessen. autorität macht den geschmack. es wird genau so sein, wie es alle immer schon wollten, oder eben anders. fragt nur, nachher – spätestens dann werden wir's gewusst haben wollen.

kontrolle über sich – wer die wohl besitzt? ausgeschlossen oder eingeschlossen in den raum, in das loch, in das man sich zurückziehen kann vor den menschen. die einzigen winzigen zufluchtsorte werden zur ganzen welt, zum kosmos. luftballons aufblasen, um die leere zu füllen. die seiten umblättern – von vorne nach hinten, von hinten nach vorn. herrlich sinnlos die tage zugebracht. bis der tod kommt, leben wir, sind tot, wenn er da war und was war, wird nicht mehr sein; was wird, ist egal. wir sind, was wir sind, und was wir nicht sind, wären wir allemal lieber. ereignisse werden schön erst in der erinnerung, werden vergessen oder lassen uns nie mehr in ruhe.

hinter diesen zeilen, liebe leser, sitzt in diesem augenblick schreibenderweise der autor derselben. vor diesen zeilen finden sie nun zu einem anderen zeitpunkt sich selbst. was wird weiter geschehen? heute noch verdattert in den leeren kühlschrank starren und morgen schon schlaraffenland? heute noch auf erden und morgen schon im paradies? heute noch in eleganten anzügen, flotten flitzern, noblen villen & hotels, restaurants und anspruchsvollen geliebten. morgen schon in anderem zustand an weniger erfreulichen orten? heute noch zivilisiert und friedlich, und morgen schon in einem wüsten weltenbrand? oder umgekehrt? alles ist möglich. die welt scheint nicht so zu sein, wie sie sein soll oder könnte – nämlich so, wie wir sie uns wünschen (zum glück!). auch wenn andere da anderer ansicht sein sollten: längst sind wir aus dem paradies gefallen. das leben erfüllt kaum unsere erwartungen, wünsche und begierden (es sei denn, wir haben erst gar keine oder setzen dieselben ganz niedrig an). gut und böse halten sich mühsam die waage. der genuss kommt nicht selten zu kurz. wir geniessen zu wenig des guten, und was viele als solches empfinden, ist alles andere als das. was mensch und tier unterscheidet ist, dass ersterer sich rühmt, soetwas wie herz und verstand zu besitzen. doch nur selten macht er von denselben gebrauch. moral und gesetz dienen zu nichts anderem als dazu, sich gegenseitig einigermassen in zaum zu halten.

niemand gesteht seine schmerzen ein – niemand darf seine schmerzen gestehen. stattdessen jammern sie über dinge, die nicht weh tun.

erotion - ein zwischenspiel

was passiert, wenn träume wahrheit werden?

ein see von samen treibt auf bleichen laken – sehnsucht nach geborgenheit. coito, ergo sum! offen & ehrlich die wahrheit blossgelegt – oder lieber doch nichts zu papier gebracht? es wäre festgehalten und will gerade jetzt nicht festgehalten sein, zumindest nicht in dieser weise.

wie sehr männer damit beschäftigt sein können, ans andere geschlecht zu denken! kann meine hände von deinem körper nehmen, doch nicht meine gedanken.

ein paarig angelegtes, aus dem milchdrüsenkörper, binde- und fettgewebe bestehendes weibliches organ an der vorderseite des menschlichen brustkorbs.

ach, wie lieb ich diesen anblick! wie augen hinterm schleier starren mich die beiden an. ich liebę dich seit dem ersten blick. liebe machen: kleider runter, rein damit – so einfach isses nit! o, wie gerne würde ich ... aber nein! in einer zeit der überhastet fortgeschrittenen auf- & abklärung, einer gesellschaft, die sich solch niedrigen neigungen nicht hemmungslos hingibt, weil sie zu vernünftig, zu aufgeschlossen ist oder sein will, wissen wir, dass lust & begierde nur triebe sind – einfach tierisch, doch keineswegs tierisch einfach.

das wasser plätschert kontinuierlich ans ufer, mal stärker, mal schwächer. darüber die stille des windes, der nicht weht und dann wieder. beizeiten eine starke bö. ich trieb am wasser und eh ich mich versah war's ufer nimmer da.

du willst meine hand und kriegst einen kuss. ich kriege einen kuss und will deinen körper. du gibst dich mir hin und lässt nicht mehr los. wie kann ich anders als dich zu nehmen? es war frühling. ich fühlte es. wir fuhren hinaus in's grüne, uns der frischen triebe zu erfreuen. die blüte war so warm und weich, betörend duftend. auf einer hügelkuppe fernab liessen wir uns nieder. windesrauschen in den bäumen, ansonsten stille. ich kroch unter deinen rock und küsste dich.

zarter blüte welken ist
teil ihres wesens.
ich wollte biene sein,
hinabtauchen in sie,
ihrer lippen nektar
schlürfend ertrinken.

habe dich geöffnet wie eine konservendose. hab mich dabei geschnitten und bin rausgegangen, um das blut wegzuwaschen.

für einen gemeinsamen augenblick teilten wir alles - und nichts darüber hinaus. himmelhoch jauchzend und etwas betrübt ging ich früh morgens von ihr, nach dem langen abschiedskuss, nach einer (zu) kurzen umarmung. ich erhielt einlass für einige stunden – einige stunden, nicht mehr. hältst mich mit worten gefangen, machst mich verstummen, gelähmt durch blick und gesten. ich fiel um viele jahre tiefer, fand mich verstrickt darin woraus ich mich für immer entkommen glaubte. so widerlich bittersüsser honig von deinen lippen, an denen ich kleben blieb. bist dir dessen nicht bewusst? so sei ruhigen gewissens: bewusstlosigkeit ist keine sünde!

will ich mit ihr, aber sie nicht mit mir wird es fad war es eigentlich nicht wahr nur so, wie es dir gefällt mir nicht nur deshalb weiss ich nicht mehr ein noch aus diesem kreis ist es schwer, herauszukommen ist so gut wie unmöglich mein verhalten ist lächerlich finde eigentlich ich dein verhalten, nur kommen beiderseits regungen zum ausdruck, was heisst, ich wollte nichts anderes als mit dir zu sein, das höchste der gefühle dieser art kennst du nicht/kannst du nicht zeigen willst du sie sehen ... ich konnte sie nicht länger sehen, also schloss ich meine augen und ging.

fort, nunmehr nichts als ein leerer fleck, ein loch in meinem kopf und mein kopf wird das loch nicht mehr los. und die sehnsucht wächst mit zunehmender entfernung. nicht genug fleisch zu sündigen, kein aas will freiwillig gefressen werden (denn aas hat keinen willen). grausamer als deine liebe ist es, nicht von dir geliebt zu werden. keine liebe, keine lust. nebeneinander leben, nicht nehmen, nicht geben.

nach langer zeit ein wiedersehen
in einem feuchten traum.

ein pflanz, der durch die wüste kullert und hie & da im regen grünt und blüten treibt. aufblüht ein filigranes blümchen, um bald gefressen oder vom winde verweht zu werden. auf harten boden fallen die samen und die strafe des herrn ist fürchterlich. göttlicher, heidnischer engel, bruder des schlafes und onkel der träume, hebt sich hinweg mit mächtigen schwingen, finster starrend aug und haar. der traum überlebt nicht den morgen.

du hast mir das spiel beigebracht, mir die regeln erklärt. ebendeshalb will ich nicht mit dir spielen.

intimagination - verinnirrlichung

wenn blicke töten könnten – wenn blicke bloss töten könnten! ich sehe mich um; nichts kann sich meinem blick entziehen. alles was ich sehen kann, befindet sich ausserhalb von mir. ganz, ganz nah oder sehr weit entfernt, draussen jedenfalls, unerreichbar weit. nicht alles, was draussen ist, kann ich sehen. nur ich selbst bin in mir, zusammen mit dir. es berührt mich kaum. es ist nur ein spiel. sie sind mein spielzeug. je mehr angst sie haben, umso reizvoller ist es.

undeutlich tummeln sich figuren kleiner lebewesen vor meinen augen. karikreaturen. ich kann sie kaum klar erkennen und kenne sie dennoch sehr gut. ich weiss, wer sie sind und was sie sind und wie sie sind, und ich weiss, was von ihnen zu halten ist, und dass ich nichts von ihnen halte; ausser: ihr leben in meiner hand.

ich kann die entfernung zu ihnen nicht schätzen, oder sehen, ob sie es wirklich sind oder nur ihre schatten oder bilder. meine augen sind schlecht, durch das fernrohr viel besser. sie sollten glücklich sein, (voraussichtlich) bewahrt zu werden vor allem, was noch kommen mag. wir sind es, die leiden müssen. diese schweine werden längst verrottet sein, während wir noch durch's irdische fegefeuer taumeln. einen dreck wird es sie kümmern. wir kommen direkt ins paradies, um zu kriegen, was uns niemand zugesteht.

ich handle versteckt hinter der unschuld meines unscheinbaren wesens. mein opfer hat nichts zu verbergen und keinen ort, um sich zu verbergen. wovor auch? es gibt keinen anlass – die erlösung wartet und alles wird gut oder gar noch besser. warum sollte es sich feige verkriechen? ist sich keiner schuld bewusst, schuldlos wie ich. meine werkzeuge sind es, die mich verführen und andere verletzen. die klinge, oder das winzige projektil, welches mit hoher geschwindigkeit dem blick meines auges folgt. ohne meine herferlein wäre ich machtlos und nichts würde geschehen. jeder kann sich ihrer bedienen, keine kunst. keiner fliege könnt' ich was zuleide tun. nicht mit eigenen händen. mir fehlt der mut, dich zu berühren; dich zu verletzen, würde mir selbst weh tun, empfindlich wie ich bin, zart und zerbrechlich. also brauche ich/gebrauche ich mein werkzeug, um zu tun, was ich tun will, wozu ich allein nicht imstande bin. es stärkt meinen willen, meine tiefsten inneren wünsche. wie eine violine fest an meine wange gepresst, mit händen gespielt. der hahn gehorcht meiner fingerspitze, ein kurzer zug – klick & bumm! erstaunlich, was eine so kleine bewegung bewirkt, der feine faden reisst und kaputt kannst du sein. es braucht nicht viel kraft und verstand, nur ein wenig gefühl. mein wille geschehe! mein wille geschieht und deiner wird gebrochen.

da gehst du hin, meine liebe. ein letzter schritt bevor du stolpern wirst und fällst. ich zittere vor erregung. manchmal zittre ich garnicht. du bist so weit entfernt. wer wird dich vermissen ausser mir? wer interessiert sich schon für dich? wer zählt meine opfer? wen kümmern zahlen? wen kümmern menschen hinter zahlen? eins ist schon zuviel, doch in der menge gehen sie unter, bis die ganze menge untergeht. mathematik war nie meine stärke, noch logik, ethik oder poesie. dagegen war ich seit jeher gut in meiner leidenschaft – ein naturtalent, genius, lux mundi. mein ziel ist sicher und ich wusste schon immer, was mein ziel ist, worauf es sich zu zielen lohnt. mein wille entscheidet, einsam & allein, ob ich es tu oder nicht. es wehrt sich nicht und wenn doch, oder wenn es nicht ganz getroffen ist und sich noch bewegt, so erregt es uns nur noch mehr, nicht wahr?

irrealisationen - (un)tatsachenberichte

in wahrheit sind alle lavendelhändler unterweltler, dealer illegalen guts, die unter ihren duftenden lavendelsackerln oder -sträusschen drogen und schmuggelware verbergen.

an einem warmen sonnigen tag ging er unter blauem himmel sinnlos vor sich hin. da kam ein kleines mädchen auf ihn zu, drückte ihm dieses ding in die hand und rannte davon. einige sekunden später explodierte es. eine weile sass er da und starrte scheinbar gedankenverloren auf sein glas. dann stand er auf, zog ein messer und stach einige leute, die trinkend an der theke standen, nieder. ich sah ihn lange zeit an. dann kam er auf mich zu und schlug mich zusammen. er mochte es nicht, angestarrt zu werden.

vitamine, mein kind! zehn lebenswichtige vitamine: essen, schlafen, arbeiten, ordentlich anziehen und gutes benehmen, waschen, zähneputzen, etc. alles was man zum leben braucht. kampf den staubfusseln unter dem tisch. kampf den falten im hemd. lasst mich mit den ernsten dingen in frieden, das leben ist hart genug! wenn nur die kleinen dinge in ordnung sind, werden sich die grossen von selber regeln.

die leiden des kindes, das nicht abgetrieben wurde.

zur strafe kettete die vorbildliche pflegemutter ihre kinder der über nacht nackt im stall an.

vor einigen jahren soll sich der fall zugetragen haben, dass ein junger mann die genitalien seiner schwester dieser bei lebendigem leibe aus demselben schnitt und sie der anwesenden mutter gekocht zum verzehr vorsetzte. unterwäsche und kleidung aus hunde-, mäuse- und mädchenhaut. na sowas grausliches! unvorhersehbares zusammentreffen ungünstiger faktoren bewirkt eine kettenreaktion negativer ereignisse. erotische phantasie: eier kraulen, schwanz lutschen, muschi lecken, etc. politische realität: hoden abbeissen, schwanz abschneiden, schamlippen unter strom setzen, etc. – bei vollem bewusstsein, versteht sich. wie geschmacklos, pfui teufel! neugeborene an den füssen packen und gegen die wand schleudern. wer ein neugeborenes photographisch abbildet oder ein solches literarisch missbraucht, zieht mehr protest auf sich, als horden von kinder und frauen mordenden und vergewaltigenden barbaren. der boden blutbesoffen, geschichten, gerüchte unterhalb der oberfläche, die ruhe zum platzen gespannt. lesen sie noch zeitung? ich auch nicht. sehen sie fern? wozu? die geschichte lebt! im urwald schlachten sich die stämme gegenseitig ab, wenn sie nicht gerade hungern, in den nahen süden kann man nicht mehr auf urlaub fahren, und auch fernere länder verschonen urlauber nicht mit ihren eigenen angelegenheiten. hier sitze ich und schreibe diese zeilen in einem glücklich vereinten europa. nur hie und da erleuchtet ein brennendes haus die schlafenden flüchtig. der machtwächter ruft hilflos um verzweiflung. indessen weiche erde fällt auf noch lebende leiber, während zahllose leichen darauf warten, niemals begraben zu werden. die hinterbliebenen sind zu sehr um ihr eigenes überleben bemüht. verwundeten gefangenen wird die haut streifenweise vom körper gezogen, der schädel zerschlagen – die eierschale ist kein schutz für das was drinnen ist, wenn was drinnen ist. in einen schraubstock spannen und drehen bis es kracht. wenn der kopf beim ersten mal nicht ab ist, schlag ein weiteres mal zu – so oft als nötig. plastiksackerl übern kopf oder nackt am boden der zelle schlafen lassen. in säurebäder oder uringefüllte fässer tauchen. eine beliebte methode ist es, der person einen mit benzin gefüllten autoreifen um den hals zu hängen und diesen anzuzünden. und wenn sie nicht gestorben wären, dann litten sie noch heute. mit einer zange fingernägel abziehen oder nadeln unter dieselben schieben. einfach nicht schlafen lassen. alles nur ein traum, doch es gibt kein erwachen; in der fremden stadt, in die sie geflüchtet war, traf sie den mörder ihrer kinder wieder; auch sie selbst hat er nicht ganz verschont. erinnerungen an die zukunft: jeden augenblick klopft es an der tür, und sie kommen herein, dich zu holen. du wirst nie wiederkommen. keine zeit, ist nicht mehr die zeit, ist vorbei, wird nie wieder passieren, hier nicht, nicht heute. was nicht ist, kann noch werden! ständige angst nagt, zittern vor dem ungewissen. irgendwann kommt es, wird da sein, wird es zu spät sein – manchmal früher. heute sehen sie anders aus. haltlose paranoia.

tod den anderen! es leben die unseren! wir werden ihm den arsch versohlen! ein diktator war vegetarier, ein anderer bevorzugte menschenfleisch. die herrenrasse, scheisse, ach, wie ich die herren hasse und stattdess' die damen schätze. um die halbe welt fahren manche, nur um sich für ein, zwei wochen von einer billigen willigen verwöhnen zu lassen. ein minister liebt seine damen in ketten, ein andrer die herren nicht minder. der herr präsident ist auch nur ein mensch und selbst die frommen kirchenväter sind nicht frei von leidenschaft & sinnlichen gelüsten.

blutrot. blut von tieren bevor sie zubereitet und verspeist werden. blutwurst. blut & boden. blut von menschen die im krieg verrecken, irgendwo im nahen fernen land. blutrünstig. blutjung. blut im gesicht, als sie gerade ihre periode hatte. blutgefäss. blut auf der leinwand zur feier des tages. blut im kalten wasser der wanne, in der ein körper liegt; konnte dem puls der zeit nicht ganz folgen. blutprobe, mutprobe, wut. blutspritzer an der wand. den lauf in den mund nehmen, die kugel schlucken und satt sein für immer. oder, unblutig: lass' deine seele baumeln wie dich selbst. blutarmut.

mit ihren fingerspitzen öffnet sie das couvert. von beiden bleibt nicht viel übrig.

als er es bis 30 nicht geschafft hatte, als erfolgreicher junger held zu sterben, blieb ihm nichts anderes übrig, als weiterzuleben und sich irgendwie über wasser zu halten.

ich trat in den raum, die stube des hauses, in dessen mitte ein holzschaff stand. ein nacktes knäblein darin bis zu den knien im trüben wasser, der körper über und über mit fliegen bedeckt, stand da und lachte laut über mich.

kondiffusion - schmelzung

kriege & katastrophen befreien von den lasten des bestehenden. verzerrung & verfall treiben wundersame blüten & früchte. nichts ist schöner als ruinen! die leichen vergangener kulturen erregen die phantasie, sich das leben von einst auszumalen in pracht und würde wie es sie nie gab. wäre das gestern nicht vergangen, wir könnten heute voll sehnsucht darauf zurückblicken? die geschichte ist der boden, auf dem die gegenwart wächst und stets neue überraschungen bringt. wäre alles andere nicht anders, es wäre uns gleich. wertvolle stoffe: pflanzen und tiere, flüssigkeit und reine luft, fremdes von aussen zu sich genommen, sich einverleibt, durch sein inneres geschoben, durch lungen und gedärme gepumpt, saugt sich der körper heraus was er braucht. bleibt ein haufen exkremente, schokoladebraun, übel duftend, schleimig weich, genüsslich zwischen den backen hervorgepresst, fäulnis und dünger, verdaut, verottet, verwest. formvollendete konzentration wertvoller organischer masse, entäusserungen physischer substanz, teile des subjekts objektiviert, reduktion auf das konzentrat der ausscheidung. stoffwechselprodukte, ausscheidungen des körpers – jedes lebende wesen gibt ab, was es nicht mehr benötigt: mausperlen, fliegenschiss, losung, rossäpfel, kuhfladen, schweiss und tränen, abfall, alte kleidung und sondermüll, aktien oder geliebte, etc. perfektion des nutzens durch selektion? die guten ans töpfchen und die schlechten sollen schauen wo sie bleiben? sorgfältig getrennt und/oder achtlos liegengelassen oder gleich vernichtet? rohstoff und nahrung für zukünftiges. grundlage für neues leben, wachstum, neue triebe.

weitertreiben, treiben einander zu, kraft der anziehung, wider den fall, abfall, zerfall.

verflucht seien die hormone und gott sei dank, dass es sie gibt: (was) wäre die menschheit ohne sie? was ist aus ihr geworden? milliarden menschen sind produkte des verkehrs der geschlechter, meere von sperma injiziert in die bäuche der mütter dieser erde seit längerer zeit als menschen denken können und unabhängig davon, ob sie es tun. ehr-, geist- und skrupellose treiben es ebenso miteinander wie die, die sich für besser halten. jederzeit an jedem ort. gefühle spielen keine rolle. nicht schönheit, noch klugheit. allein der trieb. die lieben eltern, so prüde sie auch sein mögen, wären nicht deine eltern. und wären nicht sie deine eltern, so wären es andere.

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